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Unternehmer als Zahlmeister

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 07.01.2011


Warum Bankenregulierung und -abgabe auch an mittelständischen Firmenkunden nicht spurlos vorüber gehen dürften – und wie diese reagieren sollten.

Mehr als zwei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise bekommt die Bankenbranche nun, zusätzlich zum Vertrauensverlust von Seiten der Kundschaft, auch finanziell die Rechnung präsentiert: Sie wird mit einer Abgabe rechnen müssen, die pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro kosten und insgesamt 70 Milliarden Euro betragen soll. Damit wird eine finanzielle Reserve gebildet, auf die in weiteren Notfällen zurückgegriffen werden kann. Schließlich sollte sich ein finanzielles Eingreifen des Staates, dessen Ende immer noch nicht abzusehen ist, zumindest in dieser Form möglichst nicht wiederholen.

So weit, so gut. Allerdings wird erst noch die Praxis zeigen, in welchem Umfang Bankinstitute zukünftig tatsächlich in der Lage sein werden, diese Bankenabgabe aus eigenen Mitteln aufzubringen – oder ob dafür Kunden und vor allem Unternehmer und Betriebsinhaber ebenfalls herangezogen werden. Immerhin bestehen dazu umfangreiche Möglichkeiten sowohl bei den Kreditzinssätzen als auch bei den vielfältigen Bankgebühren. Betriebsverantwortlichen wird also nichts anderes übrig bleiben, als sich erneut klar zu machen, dass sprichwörtliches „Aussitzen“ fast automatisch zu einer finanziellen Mehrbelastung führen wird. Eigene Aktivitäten sind also gefragt – mehr denn je.
 

Sämtliche Bankkosten prüfen

Eine erste Übersicht kann dazu bereits ein Blick in die betriebswirtschaftlichen Auswertungen bieten, in denen die Bankkosten zu finden sind. Naturgemäß spielen hier in aller Regel die Kreditkosten eine entscheidende Rolle. Bei einem nach wie vor niedrigen Zinsniveau ist es in den meisten Fällen hilfreich, wenn bei Betriebsmittelkrediten und Immobiliendarlehen mittel- und langfristige Zinsbindungen gewählt werden, an denen sich beide Vertragspartner während dieser Zeiträume zu halten haben. Übrigens: Betriebsinhaber, die dagegen in der glücklichen Lage sind, liquide Mittel anlegen statt aufnehmen zu können, sollten sich derzeit für Tages- oder Termingeldkonten mit Laufzeiten von bis zu maximal zwei, drei Monaten entscheiden, da sie bei längerfristigen Anlageformen ohnehin kaum mehr Zinsen erhalten. Unternehmer, die sogar an Anlagezeiträume von mehr als einem Jahr denken, sollten ebenfalls vorsichtig agieren: Geht es mit den Zinsen nämlich wieder aufwärts, müssen sie bei mittel- und langfristigen Anlagen mit Kursverlusten rechnen, wenn sie das Geld vor dem jeweiligen Ablauftermin benötigen.

Doch zurück zu den Kosten: Neben Kreditzinsen gehören auch sämtliche weitere Bankkosten auf den regelmäßigen Prüfstand – vor allem jene Gebühren, die rund um die Geschäftskonten entstehen. Hierzu gehören neben den Kontoführungsgebühren in Form einer Kontopauschale oder eines Kostenmodells, das sich an den Kontoumsätzen orientiert, auch mögliche Zusatzgebühren etwa für Bank- und Kreditkarten. Je nach Kreditinstitut sind weitere Gebühren möglich, wenn beispielsweise der Überziehungskredit nicht in Anspruch genommen wird oder eine Provision berechnet wird, die sich am betrieblichen Umsatz orientiert.

Darüber hinaus sollte regelmäßig geklärt werden, ob durch eine Optimierung des Online-Bankings Kostenverringerungen möglich sind. Um die vielfältigen Produktvarianten, die diese Technik bietet, auch tatsächlich kennen zu lernen, bieten sich auf das individuelle Unternehmen zugeschnittene Praxissimulationen in den Bankräumen an. So sind neben der Abwicklung des Zahlungsverkehrs längst auch anspruchsvollere Programmalternativen üblich, die vom täglichen Kontoausgleich bei verschiedenen Banken zur Vermeidung von teuren Kredit- und Überziehungszinsen bis zur Terminüberwachung von Zahlungseingängen oder von fälligen Zins- und Tilgungsraten reichen. Auch komplexe Liquiditäts- und Rentabilitätsprogramme, die Betriebsinhaber bei der Unternehmenssteuerung helfen können, gehören zu den diesbezüglichen Angeboten der Finanzbranche.

Keine Frage: Vollständigen Kostentransparenz ist in diesen Zeiten Pflicht. Vor diesem Hintergrund dürfte im Übrigen die bisher oft übliche Hausbankfunktion zukünftig an Bedeutung verlieren, da bisherige Nebenbankverbindungen die Gelegenheit nutzen werden, ihren Marktanteil bei interessanten Mittelbetrieben über preiswerte Angebote zu verbessern. Die Notwendigkeit der Bankenbranche, hier Aktivitäten zu entwickeln, ergibt sich im Übrigen auch durch die Anforderungen, die zurückgehende Erträge im Wertpapiergeschäft der Kreditinstitute mit sich bringen werden. Es ist selbstverständlich legitim, dass Unternehmer und Betriebsinhaber dieses Spannungsfeld besetzen und sich spätestens jetzt als gleichberechtigter Geschäftspartner profilieren.
 

Aktionismus schadet

Doch Obacht: Häufig erwarten bisherige Nebenbankverbindungen zusätzliche Umsätze, wenn sie Betrieben in ihren Kosten entgegen kommen. Dies ist durchaus üblich und auch verständlich. Allerdings sollten Unternehmer vor einem solchen Schritt erst einmal sorgfältig prüfen, ob bestehende Darlehensverträge mit der bisherigen Hausbank dies überhaupt zulassen. Je nach Vertrag sind nämlich bestimmte Kreditkonditionen auch hier mit Umsatzzuweisungen in einer fest vereinbarten Höhe verbunden, die naturgemäß Ernst genommen werden sollten.

 

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Michael Vetter



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