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Unternehmensfinanzierung
Die Auswirkungen von Leasing auf das Rating
Die Auswirkungen von Leasing auf das Rating
Leasing ist eine alternative Finanzierungsform zur klassischen Fremdkapital- oder Eigenmittelfinanzierung. Es
handelt sich um eine entgeltliche Vermietung von Investitionsgütern. Dabei überträgt der Leasinggeber dem Leasingnehmer
das Recht zur Nutzung eines Leasinggegenstandes, wobei das rechtliche und wirtschaftliche Eigentum beim Leasinggeber
bleibt. In der Regel muss der Leasingnehmer eine monatliche Leasingsrate als Entgelt zahlen und die Leasingverträge
werden so gestaltet, dass der Leasinggeber das Leasingobjekt bilanziert. Nach Ablauf des Leasingvertrages geht der
Vermögensgegenstand wieder an den Leasinggeber zurück, wobei zusätzlich Wahlrechte über zum Beispiel einen
anschließenden Kauf des Objektes durch den Leasingnehmer vereinbart werden können.
Es stellt sich nun die Frage, wie Leasing oder alternativ die Fremdfinanzierung und die Finanzierung mit
Eigenkapital das Rating des Unternehmens beeinflussen können, wobei wir zwei Formen des Ratings unterscheiden wollen,
das beauftragte externe Vollrating und ein rein quantitatives Bilanzrating auf Basis des Jahresabschlusses des
Unternehmens.
Die Finanzierung einer Investition durch Aufnahme von Fremdkapital verursacht eine Bilanzverlängerung, da durch
Kreditaufnahme sich sowohl auf der Passivseite der Bilanz die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten als auch auf
der Aktivseite das Anlagevermögen durch den Kauf der Anlage erhöhen.
Der Kreditnehmer muss die Fremdfinanzierungskosten als Zinsaufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung ansetzen.
Wir wollen annehmen, dass gleichzeitig ein Ertrag durch die Investition zu erwarten ist, welcher die Verringerung des
Jahresüberschusses durch Zinsaufwendungen mindestens wieder ausgleicht. Auch gehen wir von keiner weiteren wesentlichen
Veränderung des Gewinns und damit des Eigenkapitals des Unternehmens aus. Entscheidend für die Fragestellung ist das
Ergebnis des Ratings sind die Bilanzrelationen auf der Aktiv- und Passivseite der Bilanz. Im Rahmen eines quantitativen
Ratings bedeutet dies, dass eine Kreditfinanzierung den Verschuldungsgrad eines Unternehmens erhöht und die
Eigenkapitalquoten senkt. Vor diesem Hintergrund wird sich das quantitative Ratingergebnis verschlechtern. Im Einzelnen
wird die relative Veränderung der Kennzahlen Fremdkapitalstruktur und Eigenmittelquote vor und nach Finanzierung das
Ausmaß der Ratingveränderung bestimmen.
Bei einer Eigenmittelfinanzierung der Investition unterstellen wir, dass die Bilanzsumme insgesamt im Wesentlichen
unverändert bleibt. Es findet dabei eine Verschiebung der Bilanzpositionen auf der Aktivseite statt, das heißt, die
liquiden Mittel sinken und das Anlagevermögen steigt. Die Eigenmittelquote bleibt konstant (natürlich gibt es bestimmte
Aufwendungen im Rahmen der Beschaffung. Diese wollen wir aber hier vernachlässigen). Für die Gewinn- und
Verlustrechnung nehmen wir an, dass die Abschreibungen der neuen Anlage durch zusätzliche Ertrage kompensiert werden
und sich die Ertrags- und Cash-Flow-Kennzahlen nicht verschlechtern. Die veränderten Bilanzrelationen auf der
Aktivseite haben Auswirkungen auf die Kennzahlen der Analysebereiche Liquidität und Vermögensstruktur wie zum Beispiel
Anlagendeckungsgrade (Finanzierung des Anlagevermögens mit Eigen- und langfristigen Fremdmitteln). Die Erfahrung zeigt,
dass die Verschlechterungen dieser Kennzahlen meist weniger Auswirkungen auf die quantitativen Ratings haben als
Veränderungen der Eigenmittelquote. Deshalb verändert sich ein Bilanzrating im Fall der Eigenfinanzierung auch deutlich
weniger negativ als im Fall der Fremdfinanzierung.
Im Fall der Leasingfinanzierung werden die Leasingraten als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen.
Aufgrund der Bilanzneutralität, das heißt, die Bilanz verändert sich durch Leasing nicht, wird insbesondere die
Eigenkapitalquote sowie auch Anlagendeckungsgrade nicht beeinflusst. Wir unterstellen hier auch für die
Leasingalternative, dass die Belastungen des Unternehmens durch Leasingzahlungen durch Erträge aus der Investition
kompensiert werden. Somit hat ein Leasing keinen wesentlichen Einfluss auf das quantitative Bilanzrating.
Im Rahmen des beauftragten externen Vollratings werden sämtliche quantitativen und qualitativen Faktoren analysiert.
Neben den Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse und des Bilanzratings spielen die „weichen Faktoren“ eine
wichtige und letztendlich die entscheidende Rolle. Gemeint sind hier zum Beispiel Themen wie Qualität des Managements,
Unternehmensorganisation, Strategie, Finanz- und Risikomanagement, Produkte und Markt et cetera. Geprüft wird,
inwieweit die Cash Flows des Unternehmens in der Zukunft ausreichen, die fälligen Verbindlichkeiten zu begleichen. Es
werden viele interne Informationen des Unternehmens untersucht. Die Finanzierung über Leasing und Eigen- oder
Fremdmittel ist an dieser Stelle von untergeordneter Bedeutung. Eine pauschale Aussage über die Auswirkungen auf das
Rating ist nicht möglich. In Einzelfällen können allerdings Unterschiede aufgrund der spezifischen
Vertragskonstellation möglich sein.
Zum Autor
Dr. Michael Munsch ist Vorstand der Creditreform Rating AG
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