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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Cash-Pooling – Damit Bares nicht baden geht

Cash-Pooling – Damit Bares nicht baden geht

Wie Unternehmen Liquiditätsplanung, Cash Management und Cash Pooling richtig einsetzen.

Natürlich kann ein Unternehmen wirtschaftlich nur dann fortbestehen, wenn das finanzielle Gleichgewicht auf lange Sicht gewährleistet ist. Der Begriff der Liquidität, also die Zusammenhänge zwischen (kurzfristigen) Verbindlichkeiten, den vorhandenen Zahlungsmitteln, (kurzfristigen) Forderungen und der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens gehören seit jeher zu den Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre. Auch die damit einhergehenden Fragen der Unternehmensfinanzierung und Rentabilität werden ausgiebig theoretisch erörtert und in die Unternehmenspraxis übertragen. Was ist also neu am Thema Liquiditäts- oder auch Cash-Management?

„In der Phase nach der Krise muss der Finanzsektor erst wieder Vertrauen aufbauen und Fehlbeträge kompensieren“, sagt Peter Sinn, Vorstand der CP Corporate Planning AG, eines Hamburger Software-Entwicklers von Management-, Planungs- und Informationssystemen. Das bekämen auch die finanzmittelsuchenden Unternehmen zu spüren: „Es wird vor allem für mittelständische Unternehmen immer schwieriger und teurer, sich Fremdkapital bei Kreditgebern und Banken zu besorgen. Kredite werden nur noch unter strengsten Bedingungen und zu hohen Preisen vergeben.“ Nicht erst seit der Einführung der neuen Baseler Rahmenvereinbarung über die Eigenkapitalempfehlung für Kreditinstitute (Basel II), die auf eine Stärkung der Sicherheit und Solidität des Finanzsystems abzielt, überprüften die Banken die Unternehmen genauestens in Bezug auf ihre Bonität, hat Sinn beobachtet. Sie geizten inzwischen regelrecht mit Krediten, wenn ihnen die angebotenen Sicherheiten nicht ausreichen. Selbst Verhandlungen über Lockerungen der Kreditlinien und Rückzahlungsmodalitäten seien häufig aussichtslos. Die Option, offene Verbindlichkeiten im Notfall mit neuen Krediten zu decken oder Rückzahlungsverpflichtungen umzuschichten, sei für viele Unternehmen nicht mehr vorhanden.

Was Cash Pooling bringt

Auch wenn die Zeichen vielerorts schon wieder auf Aufschwung stehen, vergeht kein Tag, keine Nachricht ohne das Thema Insolvenz. Sowohl große Unternehmensgruppen aber auch kleine Traditions-Firmen stehen derzeit vor ihrer Zahlungsunfähigkeit oder haben bereits Insolvenz angemeldet. Ob durch Missmanagement oder als Opfer der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise – vielen Unternehmen sind ihre liquiden Mittel ausgegangen, so dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Als Folge sind die Zulieferer der insolventen Unternehmen ebenfalls durch den Zahlungsausfall betroffen. Wie eine Kettenreaktion zieht sich der Mangel an Zufluss von Finanzmitteln durch die Unternehmen. Eine Überprüfung der Bonität des Kunden kann dabei helfen, den Zahlungsausfall zu reduzieren.

Die Unternehmen, die in den letzten Jahren Barreserven in Form von Tagesgeldkonten aufbauen oder bewahren konnten, nutzen nun diese Rücklagen. Anstehende Zahlungen und Investitionen werden durch den Abbau dieser Reserven finanziert. Die finanziellen Mittel im Unternehmen werden umgeschichtet, und die bisher liquiden beziehungsweise schnell liquidierbaren Mittel stehen für die zukünftige Liquidität des Unternehmens nicht mehr zur Verfügung.

Eine Möglichkeit, flüssige Finanzmittel wirksam zu steuern, ist „Cash Pooling“: In Zeiten begrenzter Finanzmittel und teurer Kredite bietet dieser konzerninterne Finanzmittelausgleich die Möglichkeit, unabhängig von Fremdkapital zu agieren. Dies setzt voraus, dass in einer Unternehmensgruppe die Liquiditätsüberschüsse der einen Gesellschaft den Liquiditätsengpass eines anderen Unternehmens decken. Alle erwirtschafteten Überschüsse des Konzerns werden auf ein gemeinsames Konto überführt. Im Gegenzug erhalten die Tochtergesellschaften Rückzahlungsansprüche gegen die Muttergesellschaft. Herrscht in einem verbundenen Unternehmen ein Mangel an liquiden Mitteln und somit Kreditbedarf, wird dieser vom „Gemeinschaftskonto“ gedeckt. Nur der Gesamtsaldo wird kurzfristig, möglichst gewinnbringend angelegt. Im Fall einer Unterdeckung muss nur für diesen Betrag ein Kredit bei einer Bank aufgenommen werden. Die Verbindlichkeiten und Forderungen gegenüber Banken mit vorgegebenen Soll- und Habenzinsen werden durch Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb des Konzerns ersetzt.

Auch wenn das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) vom Oktober 2008 die Konzernfinanzierung durch Cash Pooling auf eine sichere Rechtsgrundlage stellt, ist die Methode nicht unumstritten. Gerade bei drohender Insolvenz der Mutter- oder einer der Tochtergesellschaften sind die persönlichen Haftungsrisiken für Vorstände und Geschäftsführer nicht zu unterschätzen.

Die Zukunft richtig einschätzen

Liquiditätsbetrachtungen und -kennzahlen beziehen sich in den Unternehmen überwiegend noch auf einen Zeitpunkt in der Gegenwart oder Vergangenheit. Doch wenn diese Daten vorliegen, kann es vielleicht schon zu spät sein. In den Managementetagen setzt sich zunehmend die Einsicht durch, dass ein Unternehmen nur sicher zu steuern ist, wenn zusätzlich zur Erfassung und Analyse der Ist-Daten die Entwicklung der Daten antizipiert wird. Dem Controlling stehen für die Liquiditätsplanung verschiedene Planungsmethoden zur Verfügung. Auf der Basis vorhandener Erfahrungswerte können beispielsweise Was-Wäre-Wenn-Analysen durchgeführt und verschiedene Szenarien (etwa Best case, worst case) erstellt werden. Gerade in Bezug auf die Zahlungseingänge der Kunden weichen offizieller Zahlungstermin und tatsächlicher Zahlungseingang oftmals stark voneinander ab. Betrifft dies wohlmöglich größere Beträge, hat das einen beträchtlichen Einfluss auf die Liquidität des Unternehmens. Eine professionelle Liquiditätsplanung kann diese Aspekte berücksichtigen. Das Management kann nicht nur den augenblicklichen Liquiditätsstatus bewerten, sondern auch pro-aktiv die zukünftigen Aus- und Einzahlungen steuern.

Wenn die Thematik rund um die Unternehmensliquidität auch jedem Unternehmen durchaus bekannt ist, verlieren viele mittelständische Unternehmen in hektischen Zeiten den Überblick über ihre Liquidität. Und selbst rentable Firmen stehen bei unerwarteten Entwicklungen plötzlich vor dem Aus, weil sie etwa den Aspekt Zahlungsausfälle auf Kundenseite nicht ausreichend berücksichtigt haben. Firmen, die auf Nummer sicher gehen wollen, verlassen sich gerne auf professionelle Cash-Management-Software oder Planungs-Systeme. Indem anstehende Forderungen und Verbindlichkeiten, offene Posten, aktuelle Bankstände, Kreditlinien und sonstige Zahlungsflüsse miteinander verglichen werden, ergibt sich ein stets aktueller Liquiditätsstatus. „Moderne Lösungen gehen noch einen Schritt weiter“, sagt Sinn. Die Entwicklung der Liquidität wird auf der Basis der Daten aus der Finanzbuchhaltung und auf Grundlage von Erfahrungswerten fortgeschrieben. Das Management ist so rechtzeitig vorgewarnt und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen, mit Banken, Kunden oder Lieferanten sprechen oder sonstige Finanzmittel flüssig machen. Im Fall von „überflüssigen“ Bargeldbeständen können diese etwa so umgeschichtet werden, dass sie mehr Gewinn erwirtschaften. Das System liefert sogar detaillierte Vorschläge für das optimale Anlegen und Umschichten von Finanzmitteln. Fragen der Finanzierung, der Kapitalkosten und Rentabilität lassen sich schneller beantworteten und lösen.

Checkliste: Tipps für effektives Cash Management

  1. Kontrollieren Sie regelmäßig den Liquiditätsstatus.
  2. Bilden Sie zukünftige Zahlungsflüsse systematisch in einer Liquiditätsplanung ab.
  3. Planen Sie verschiedene Szenarien, z.B. nach offiziellem und erwartetem Zahlungseingang.
  4. Sprechen Sie rechtzeitig mit Kreditoren, Debitoren und Banken, um Zahlungen „umzuschichten“.
  5. Erstellen Sie für Banken transparente Berichte und Zahlen, zur Sicherung der Kredite.
  6. Prüfen Sie die Bonität Ihrer Kunden.
  7. Führen Sie ein effizientes Forderungsmanagement ein.
  8. Überprüfen Sie die Möglichkeit eines Factoring.
  9. Optimieren Sie durch zentrales Kreditmanagement die Zinserträge.
  10. Nutzen Sie den internen Finanzmittelausgleich statt Fremdkapital („Cash Pooling“).

Autor: Nathalie Többe, Beitrag aus Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt



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