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Wirtschaftsauskünfte als integraler Bestandteil des Risikomanagements


Creditreform, 16.08.2010

Geschäftsbeziehungen sind klassischerweise dadurch geprägt, dass eine Seite der Marktteilnehmer über mehr Informationen verfügt als die andere. Folglich kann ein Kreditnehmer seine Bonität - und damit sein Ausfallrisiko - viel besser einschätzen als ein Kreditgeber. Gläubiger, die die Ausfallwahrscheinlichkeit potenzieller Schuldner nicht beurteilen können, stehen vor einem Dilemma. Sie werden aus Vorsicht entweder gar keine Geschäftsbeziehung eingehen, oder Konditionen verlangen, die nicht risikoadäquat sind. Beides verhindert Umsatz.

Die Identifikation von Geschäftspotenzialen einerseits und Geschäftsrisiken andererseits im Rahmen des Risikomanagements ist für die Unternehmen folglich von immenser Bedeutung. Nochmals verstärkt wird dies durch die Folgen der Wirtschaftskrise. Hier ist die Gewährung von Lieferantenkrediten durch gestiegene Ausfallrisiken und die Eintrübung des Zahlungsverhaltens für die liefernden Unternehmen endgültig zu einem riskanten Geschäft geworden. "Für die Unternehmen gilt es daher, den Geschäftsverkehr untereinander durch die Identifikation und Steuerung von Risiken bestmöglich abzusichern und damit letztendlich aufrecht zu erhalten", so Thomas Schulz von Creditreform Dresden. Die Relevanz der Unternehmensbonität und einer aktiven Finanzkommunikation steigt dabei automatisch an.

Gleichzeitig stehen die Unternehmen durch Normen wie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) zusätzlich in der Pflicht, alle relevanten Schwachstellen, die bedrohlich für das Unternehmen werden könnten, transparent zu machen. Davon betroffen sind auch finanzwirtschaftliche Risiken, die aus der Kundenstruktur oder der Bonität potenzieller sowie bestehender Kundenbeziehungen resultieren. Mittelständische Unternehmen stehen an dieser Stelle vor der Entscheidung, alle erforderlichen risikorelevanten Informationen entweder selbst zu recherchieren, oder das Know-how spezialisierter Wirtschaftsinformationsdienstleister zu nutzen.

Der Leistungsumfang von Wirtschaftsauskünften

Während Banken Ratings einsetzen, sichern nahezu alle Lieferanten die zu vergebenden Lieferantenkredite durch die Prüfung der Kundenbonität mittels Wirtschaftsauskünften ab. Dies ist in Folge des veränderten Finanzierungsumfeldes der Unternehmen umso wichtiger, da Lieferanten durch die Verlängerung bzw. das Überziehen von Zahlungszielen zunehmend in Anspruch genommen werden. Die Einsatzmöglichkeiten für Wirtschaftsauskünfte sind vielfältig und erstrecken sich über verschiedene Phasen einer Kundenbeziehung. Im Direktvertrieb helfen sie, bonitätsstarke Kundenpotenziale zu identifizieren. Bei neuen Geschäftsverbindungen tragen Informationen zu den aktuellen Stammdaten, zur Adresse oder den gesetzlichen Vertre-tern dazu bei, einen Geschäftspartner besser kennen zu lernen. Angaben zur Ausfallwahrscheinlichkeit und zum empfohlenen Kreditlimit ermöglichen die risikoadäquate Konditionierung der Geschäftsbedingungen. Im Geschäft mit Bestandskunden erfüllen Wirtschaftsauskünfte eine Frühwarnfunktion durch Monitoring. Risikorelevante Veränderungen der Kunden- oder Lieferantenbonität werden automatisiert gemeldet. Zu guter Letzt eignen sich die Informationen aus der Wirtschaftsauskunft auch zur Steuerung im Forderungsmanagement. Einzelmaßnahmen in Mahnwesen und Inkasso können so für jeden Schuldner individuell angepasst werden.

Quellen der Wirtschaftsauskunft

Basis der Aussagekraft von Wirtschaftsauskünften ist die Kombination aus öffentlich verfügbaren Daten und exklusiv recherchierten und bewerteten Informationen.

  • Öffentliche Register und Verzeichnisse: Dienen als Basis zur Erfassung von Neueintragungen, Veränderungen und Löschungen. Wichtig sind: Handelsregister, Vereinsregister, Genossenschaftsregister, Gewerberegister, Melderegister, Schuldnerverzeichnis (Eidesstattliche Versicherung / Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung) und Insolvenzverfahren.
  • Inkasso-Daten: Mehrere Millionen laufende Inkasso-Verfahren werden im Auskunftsdatensatz des Schuldners registriert und fließen automatisiert in die Bonitätsbeurteilung ein.
  • Bilanzen und Geschäftsberichte: Die jährlich knapp eine Million beim eBundesanzeiger hinterlegten Bilanzen und Geschäftsberichte stehen zur Bewertung zur Verfügung. Darüber hinaus werden auch Jahresabschlüsse nicht hinterlegungspflichtiger Unternehmen recherchiert.
  • Einnahme-Überschussrechnung und Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA): Viele Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe nicht zur Bilanzerstellung verpflichtet sind, stellen ersatzweise ihre Einnahme-Überschussrechnungen und BWAs zur Analyse zur Verfügung. Die Analyse unterjähriger Unternehmenszahlen ist gerade in konjunkturell anspruchsvollen Zeiten von großer Aussagekraft.
  • Statistische Risikoauswertung: Bestimmte Kapitel der Wirtschaftsauskunft (z. B. Branche, Mitarbeiterzahlen, Rechtsform, Unternehmensalter, Umsatz oder Region) werden regelmäßig einzeln und in Kombination auf ihre Insolvenz-Prognosegüte hin untersucht. Die Ergebnisse fließen in die Merkmalsgewichtung bei der Bonitätsbeurteilung ein.
  • Zahlungserfahrungen: Jährlich mehr als 50 Millionen Zahlungserfahrungen werden systematisch und statistisch ausgewertet. Zusätzlich werden individuelle Zahlungserfahrungen durch Rückfragen bei Lieferanten über die Zahlungsabwicklung erhoben. Die Fülle der Informationen ermöglicht ein aktuelles Urteil über das Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen und die frühzeitige Identifikation von Veränderungen oder Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverhalten.
  • Wirtschaftsauskünfte sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Wirtschaftslebens. Durch die Überwindung von Informationsasymmetrien verbessern Auskünfte die Funktionsfähigkeit der Kredit- und Gütermärkte und erhöhen so die gesamtwirtschaftliche Effizienz und die allgemeine Wohlfahrt. Vor allem für die Konditionierung und Risikosteuerung von Lieferantenkrediten sind Wirtschaftsauskünfte unverzichtbar. Die Bedeutung von Bonitätsinformationen kann daher nicht hoch genug eingeschätzt werden. Voraussetzung für die Wirkfähigkeit von Wirtschaftsauskünften ist die Qualität der bewerteten Daten. Wichtige Erfolgsvoraussetzungen dafür sind die Datennähe durch die dezentrale Recherche, die Erfahrung und Expertise der bewertenden Mitarbeiter in Verbindung mit einer kontinuierlich qualitätsgesicherten Prozessexzellenz auf Grundlage einer leistungsfähigen IT-Architektur sowie eine hohe Umschlaggeschwindigkeit in der Datenbank durch eine intensive Nutzung.



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